Eroberung der iberischen Halbinsel Anno 2021

Ich liebe Europa, wir hatten keinerlei Grenzkontrollen, wir mussten nie Geld tauschen. Und wir haben so viel was es hier gibt. Tolle Menschen, verzaubernde Landschaften.
Am 9.9.2021 am Nachmittag sind wir in Seckmauern gestartet.

  1. Nacht = 24€ = Kaiserstuhl
    Unser erster Stopp führte uns nach ca. 300km an den Kaiserstuhl. Wir bekamen bei „Mathilde“ ein Weingut einen „Notplatz“. Der war topp! Die Wirtin war auf Zack, der Wein und der Flammkuchen lecker.
    Und der Witz, unsere Nachbarn mit denen wir den Wein zusammen getrunken haben, warn von Bekannten die Eltern. Haben wir dort das erste mal gesehen.
Mathilde – Weingut

2.+3. Nacht 62€ = „La Petit Camarque“

Nach rund 800km waren wir in der sonnigen Camarque. Lagen im Pool, wanderten in die nächste Ortschaft. Beoachteten die Vögel, liesen uns von einem englischen Pärchen fotografieren, so wie ich diese auf deren Smartphone brachte.

4. Nacht 0€ = Unsere erste Wüste in Nordspanien

Nach rund 740km sind wir am nächsten Nachtstopp angekommen. Anja liegt mit Fieber im Wohnmobil, ich gehe mit Barney unserem Hund spazieren. Erste Überfälle durch Stechmücken. Ein Nachbar aus Viersen erzählt mir hier wären auch Teile von „Spiel mir das Lied vom Tod“ gedreht worden.
Am nächsten Tag fahren wir (nach einer Aspirin für Anja) durch die Wüste. Kampfflugzeuge jagen mit Überschall im Tiefflug immer wieder durch weite Teile dieser unwirklichen Landschaft. Auf der Weiterfahrt sehen wir erste Gänsegeier am Himmel fliegen.

5. Nacht = 0€ = See mit zahlreichen Vögeln

Die Gänsegeier sichtet man auch über dem See (so ich die überhaupt richtig bestimmt habe). Nach 200km, von denen wir viele nur mit 40km durch die Wüsten und Steppen kamen, gelangen wir an einen großen See. Dort ist oberhalb ein toller Stellplatz, auf dem wir die Nacht verbringen. Anja wieder Fieber. Am Morgen fahre ich die 2 km runter an den See, mit Anja im Bett. Später gegen 10:00 Uhr geht es endlich besser und wir ziehen weiter.

6. Nacht = 0€ = Naturschwimmbad mit Eselbewachung

Anja geht es wieder schlechter, nachdem es ihr bei der Fahrt durch die Wüste besser ging, das Fieber ist zurück. Nach 360km stehen wir kurz auf einem Parkplatz der ist es nicht!
Wir fahren 10km weiter, dann legt sich Anja erst mal schlafen. Danach nach weiteren 40km erreichen wir einen zauberhaften Stellplatz neben einer kleinen Ortschaft, direkt an einem Naturschwimmbad mit Eselbewachung.

Eselbewachung

7. Nacht = 0€ = Nordportugal

Wir haben es geschafft! Wir sind das erste mal im Leben in Portugal, im Norden. Nach rund 320km essen wir ein frisch paniertes Schnitzel, das es so an der Theke hier im Supermarkt offen gab. Wir sitzen beim Essen im Wohnmobil, die Sonne ist schon untergegangen und draußen ist es schon zu kalt.

Welch ein toller Wellengang


8.+9. Nacht = 40€ = Garfe Park Camping

Nach ca. 180km steuern wir auf einen schönen Campingplatz. Total nette Familie, ein Pool. Wir gehen wandern oft an Straßen entlang. Wanderwege = Fehlanzeige, trotzdem sehr schön. Am Abend suchen wir ein Restaurant das uns empfohlen wurde, das hatte zu. Also gab es in einer kleinen Bar halt kalten Pizza. Hat uns aber auch gut getan. Anja geht es besser. Die Straßen sind hier enger und steiler, teilweise.

10. Nacht = 0€ = Paiva

Straßen bis max 3,5t meisten wir, aber es geht langsam voran. Nach 150km und einigen Kurzausflügen suchen wir uns einen kleinen Wanderparkplatz und schlagen da unser Lager auf. Entlang der Paiva liegt dieses Gebiet.

Natur pur

11. Nacht = 0€ = Praia da Vaguera/Ria de Aveirro

Nach rund 120km erreichen wir wieder ein geniales Gebiet in Strandnähe. Weißer Sandstrand solange die Augen reichen!
Hier gehen wir erstmal in einer Strandkneipe einen Drink nehmen, später sitzen wir in den Dünen und lesen was schönes.

Wir übernachten in einem Fischerdorf auf einem Parkplatz neben einem Wohnmobil aus Portugal. Gehen die Promenade, schauen auf den Fischmarkt, gehen lecker im Restaurant essen. Gut und günstig. Allerdings hat es die Anja nicht vertragen. Sie ist aber eh noch immer nicht ganz fit.

100m bis zum Fischmarkt schlafen wir

12+13. Nacht = 43€ = Parque de Campisimo a Montanhismo

Was gibt es schöneres, nach rund 185km und einem der steilsten Abstiege, mit dem WoMo ever, zu einem Bootsverleih. Wow, das war haarig. So haarig, wir hatten keinen Bock mehr zum Boot fahren.
Daher suchen wir uns einen Campingplatz. Auf dem Campingplatz, ab in den Pool. Am nächsten Tag eine tolle Wanderung. In einer Dorfkneipe trinken wir erst was. Dann fragen wir ob es was zu Essen gibt. „Ja. Hase oder Hase.“ Wir haben dann lecker Hase gegessen!
Später wieder schwimmen, Wäsche waschen, Campintplatzkneipe…

14. Nacht = 0€ = Bordeira’s beach

Nach rund 420km koche ich das erste Mal in meinem Leben Muscheln. Frische Muscheln, die wir vorhin an der Fischtheke eingekauft haben. Beim Essen stehen wir im Naturschutzgebiet auf einem großen Parkplatz.
Anja stelle ich einen Stuhl auf den Parkplatz, 2 Minuten später kommt die Polizei: „Das dürfen Sie nicht, kostet 200€ Strafe.“
Das war nur ein freundlicher Hinweis, wir stellen den Stuhl rein, und die freundlichen Polizisten ziehen ohne Strage davon.
Das Naturschutzgebiet müssen wir allerdings in der Nacht verlassen. Wir fahren ein paar Kilometer weiter und stellen uns dort hin, außerhalb des Naturreservats.

15. Nacht = 0€ = Terra Mada

Der von mir angepeilte Campingplatz am Meer gefällt uns nicht! Wir flüchten lieber wo anders hin, schauen uns eingiges an.

Heute waren es dann rund 170km, wir hatten einen großen See mit vielen tollen Wasservögeln erwartet, der ist aber zu großen Teilen ausgetrocknet. Egal, dort zu stehen ist toll!

16.+17.+18. Nacht = 30€ = Aldeia de Falesia

Wir fahren durch kilometer weit verbrannte Gebiete, dann wieder über die Autobahn.
Nach rund 105 km erreichen wir einen tollen Stellplatz, einen anderen der schon etwas weiter war, haben wir ohne mit der Wimper zu zucken liegen lassen. Ich hatte ihn zwar empfohlen bekommen, empfand es aber als Gefängnis.
Livemusik wie beim Traumschiff beim Abendessen im Restaurant, wir waren jeden Abend ausgegangen. Meer 25°C Luft 26°C, Herz was will man mehr oder Meer? Zwei bis dreimal pro Tag hüpfen wir ins rauschende Meer, vom Sandstrand aus hinein.

19. Nacht = 0€ = Aparcamientro sendero del Jardin Botanica

Morgends noch eine runde am Strand und dann geht es weiter. Rund 230km.
Es zieht uns ein eine weitere kleine Wüste. Eigentlich gibt es dort einen großen See, mit Wasservögeln. Leider ausgetrockent. In der Kneipe des Reservats trinken wir was kühles. Auf dem Parkplatz ist eine glühende Hitze, daher fahren wir zum übernachten in einen nahegelegenen Wald.

20. Nacht = 0€ = Laguna de Fuente de Piedra, Antequera

Nachdem wir gemütlich in unserem Wald dreußen in der Sonne gefrühstückt hatten, ging es an dem Tag rund 200km. Auf dem Torcal Gebirge gelaufen, traumhafte Formationen. Kaiseradler, Steinböcke. Nettes Ehepaar aus Schweden mit einem Baby auf dem Parkplatz getroffen und uns ausgetauscht. Die A7775 dann wieder runter, das uns der Reservats-Ranger gesagt hat das wir auch hier nicht übernachten dürfen. Tollen Stellplatz gefunden, eigentlich ein Picknickplatz, den hatten wir exclusiv für uns. Naja fast, nur ein Tausendfüßler, ca. 10cm lang treibt sich hier herum. Und der eine oder andere Kaiseradler beobachtet uns aus der Luft.

21. + 22. Nacht = 44€

Nachdem wir auf einem der Pricknicktische in der frühen Sonne gefrühstückt hatten ging es rund 140km kleinste Straßen hoch und runter, Torcal sahen wir bald nur noch im Rückspiegel. Ab an die Südspanische Küste auf den „Camping Cactus“. Zwei Tage Spaziergänge am Meer, mehrfaches schwimmen im Pool, viel Lesen und einfach mal herumhängen! Es war schön dort zu sein, aber die Gegend war nicht schön, überall Kilmoeterlange Gewächshäsuer am Strand, in den Bergen, einfach überall.
Daher noch zwei Bilder vom morgendlichen Start unterhalb Torcal, und eines vom Campingplatz.

23. Nacht = 0€ = Sierra Nevada

Wir stellen uns auf den größten Parkplatz, als einziges KFZ. Auf etwa 2.500 Höhenmetern. Wir wandern hoch bis auf ca. 3.000 Meter. Weite Täler, hohe Gebirke, Traumhaft. In der Nacht brauchen wir erstmals die Heizung.

24. + 25. Nacht = 20€ = Tabernas „Das Tor zur Wüste Stellplatz“

Ich hatte in einer Facebookgruppe über Arne uns seinen Stellplatz gelesen. Umliegend die Drehorte von Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, Vier Fäuste für ein Halleluja, Winnetous Rückkehr, Der Schuh des Manitu, um nur einige zu nennen.
Eine teils unwirkliche Gegend. Man könnte sich hier den Wilden Westen gut hineindenken.
Die dort vorhandenen Würgeschlangen und Skorpione gehen uns aus dem Wege, obgleich ich immer mal wieder einen großen Stein wende.
Nachdem wir den Platz gefunden haben (war nicht einfach), empfängt uns Arne herzlich und es gibt gleich mal ein Begrüßungsbier für alle neuen auf dem Platz. Insgesamt stehen dort ein Zelt und vier Wohnmobile. Am zweiten Abend macht Arne Kartoffelsalat mit Würstchen. Lecker Spanische Kost 🙂
Wir erkunden die Gegend mehrfach, freuen uns über noch mehr „Kaktusse“, fragen uns ob die 1000 Schaafe einen Hütehund haben, scheinbar nicht.
Am letzten Abend sitzen wir gerade beim 2. Glas Wein mit den Nachbarn, plötzlich und wie aus dem Nichts kommt ein Wüstensturm. Wir bauen die Markise schnell ab und flüchten nach drinnen.
In den Schlaf werden wir gut gesschauckelt, der Sturm läßt gegen 1 Uhr nach. Am nächsten Morgen gibt es schon keinen Wind mehr.

26. Nacht = 0€ = Bicorp

Wir sind leider bereits im Heimreise Modus angekommen. Die 300km fühlen sich mehr an. Mittags pausieren wir in einer Zitronen/Granantapfel.Plantage.
Später schlängeln wir uns mal wieder durch einige „Terpentinen“ wie Anja mal in einem Versprecher sagte.
In Bicorp finden wir einen ganz tollen Stellplatz, dort können ca. 15 Wohnmobile stehen, wir sind mal wieder alleine. Es gibt Wasser und Entsorgung, eigentlich soll es was kosten, aber wir finden weder einen Briefkasten, noch eine Anleitung was es kostet. Wir wandern durch ein wunderschönes verschlafenes Örtchen, spielen Federball und geniesen das Leben.
Das Dorf ist hoch gelegen, in der Nacht brauchen wir das zweite mal unsere Heizung.

27. Nacht = 0€ = Narbonne „La Nautique“

Nach gut 600km haben wir Frankreich wieder zurückerobert, die Temperaturen liegen nur noch knapp über 20°C. Nach einigen Irrungen finden wir endlich einen Platz an dem man stehen und übernachten darf. Wir stehen zusammen auf einer großen Fläche mit zahlreichen Campern, überwiegend Surfer und Kite-Surfer. Ich koche mal wieder Muscheln, das erste mal im Leben welche, die ich vorher noch putzen muss. War auch wieder lecker!

28. Nacht = 0€ = Le Pont de Thorey

Wir donnern nach einem Frühstück im Wohnmobil (draußen hat es nur 10°C) Richtung Heimat. Gefühlt nur noch fahren, tanken, essen. Nachdem wir am späten Nachmittag autobahnnah ein schönes Restaurant gefunden haben, Tische sind gedeckt, sehen wir beim näheren Hinsehen, die machen erst am Freitag wieder auf. Wir gehen dort spazieren und fahren weiter an einen Wanderparkplatz an einem Fluß. Dort schlendern wir an der Saone, beobachten Angler und spät sogar ein kleines Fischerboot.

Saone der letzte Nachtstopp unserer Reise

Fazit:
Sonne kann ganz schön heiß sein, wenn kein Wind geht, da sind 20°C in der Wüste schnell mal 35°C.
Mücken stechen und pfeifen auf Fliegengitter.
Ameisen? Ahhhhh Ameisen.
Barney braucht nicht nur ein neues Halsband sondern zerreißt such eben mal einen Expander an dem er kurz hängt.
Wäscheleinen sind auf einem Stellplatz verboten.
Siesta?! Restaurants öffnen in Portugal und Spanien meist erst um 19:00 Uhr. Da waren wir meist schon müde.

Es war eine traumhafte Reise. Außer dem Expander hat es nur mein linkes Handgelenk ein wenig kaputt gemacht. Die vielen hunderten Kilometer ohne geterte Straßen haben auf das Lenkrad gehauen, uns das hat meinem Handgelenk nicht gefallen. Ist aber nicht schlimm, nehme ich gerne in Kauf! Mein Herz möchte sofort wieder auf Tour.
Doch jetzt setzt mein Tatendrang erstmal wieder was im Business und daheim zu bewegen. Freunde und Familie treffen, und unseren Enkel zu Verwöhnen.

Am 6.10.2021 landen wir wohlbehalten am Nachmittag in Seckmauern, 28 Nächte waren wir auf Abenteuer-Tour.

Danke Anja! Das du dieses Zigeunerleben mit mir teilst. Ich liebe es.

Im Oktober 2021 – Hagen Wolfstetter

Anmerkungen: Preise sind immer für den Stellplatz für die ganze Zeit an dem wir bei einem Stopp waren. km Angaben immer nur Schätzungen. Genaue Standorte können aus den Bildern gelesen werden.

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